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Offener Brief zur Erweiterung der Kunstakademie Düsseldorf

Düsseldorfer Verbände planender Berufe richten sich in einem offenen Brief an Politik und Verwaltung und fordern die Auslobung eines öffentlichen Wettbewerbs nach RPW für einen Erweiterungsneubau der Kunstakademie Düsseldorf. Eine Darlegung des Bedarfs, des Raumprogramms sowie die unbedingte Berücksichtigung der bestehenden Substanz sowie der legitimierten Entwürfe des Blaugrünen Rings müssen dabei insbesondere Bestandteile der Auslobung sein.

Unterzeichnet wurde der Offene Brief von: architektinnen initiative, AIV Architekten und Ingenieurverein Düsseldorf, BDA Bund Deutscher Architektinnen und Architekten, BDB Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure, bdia bund deutscher innenarchitekten, VfA Vereinigung freischaffender Architekten Deutschland und WIR Stadtplaner In NRW.

Sehr geehrte Ministerin Pfeiffer-Poensgen,
sehr geehrter Minister Lienenkämper,
sehr geehrter Oberbürgermeister Keller,
sehr geehrter Prof. Petzinka,

für die Düsseldorfer Planungsverbände ai-nrw, AIV, BDA, BDB, BDIA, VfA und WIR Stadtplanerin NRW ist Baukultur ein hohes Gut. Dies schließt neben der gestalterischen Komponente architektonischer Entwürfe und Umsetzungen auch eine kommunikative, demokratische Komponente mit ein. Wir begrüßen daher die zahlreichen partizipativen Verfahren und Wettbewerbe, die bei der Weiterentwicklung der Stadt Düsseldorf eingesetzt werden. Beispielhaft seien genannt der erfolgreiche internationale stadtplanerische Wettbewerb zum Blaugrünen Ring, der Wettbewerb zur Erweiterung des Landtags, der Wettbewerb zum Campus Derendorf der HSD oder der städtebaulich-freiraumplanerische Wettbewerb zum Metro Campus.

Umso verwunderter sind wir angesichts dieser und weiterer qualitätssichernder Wettbewerbe über das sich abzeichnende, nur als informell zu bezeichnende, Verfahren zur Neuschaffung eines Erweiterungsbaus für die denkmalgeschützte Kunstakademie Düsseldorf. Wir betonen, dass es uns in unserer nun folgenden Kritik weder um die Beurteilung der Qualität des vorliegenden Entwurfs noch der Entwurfsverfassenden geht. Es ist uns bekannt, dass grundsätzlich die Möglichkeit einer Eigenplanung besteht – hier werfen wir ein, dass nicht alles, was legal ist, jederzeit legitim ist. Die Empfehlung der Stadt, den vorliegenden Entwurf mit einer Öffentlichkeits- und Expertenbeteiligung einer sog. schrittweisen Weiterqualifizierung zu unterziehen, heilt unseres Erachtens nicht die Missachtung der herausragenden Bedeutung der vorliegenden Planungsaufgabe und ihrer Wirkung im städtebaulichen Kontext.

Mit den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW) existieren Richtlinien, die einen fachlichen sowie fairen Leistungsvergleich bei der Vergabe von Planungsaufträgen ermöglichen. Ziel ist es, die bestmögliche Lösung als Basis für den anstehenden Bauauftrag zu finden. Die Komplexität der Aufgabe, die städtebauliche Bedeutung des Gebäudes der Kunstakademie und seiner jetzigen Umgebung sowie die Tatsache, dass es sich sowohl beim Alt- als auch potenziellen Neubau um öffentliche Gebäude, finanziert durch Steuermittel, handelt, verlangen nach der Durchführung eines solchen Wettbewerbes. Einer der vielen Vorteile ist – gerade bei schwierigen Aufgabenstellungen – die Generierung einer Lösungsvielfalt, aus der dann die Bestmögliche ausgewählt und weiterentwickelt werden kann. Der verständliche Wunsch nach einem zügigen Planungsverfahren kann den Verzicht auf einen Wettbewerb nicht begründen. Wettbewerbe tragen durch vorgegebene Formalia und die Möglichkeit einer straffen Organisation zu einer optimalen Vorbereitung der Bauaufgabe bei; ihre qualitätssichernde Komponente reduziert das Auftreten von Planungsfehlern.

 

Wir fordern: Die Auslobung eines öffentlichen Wettbewerbs nach RPW für einen Erweiterungsneubau der Kunstakademie Düsseldorf. Eine Darlegung des Bedarfs, des Raumprogramms sowie die unbedingte Berücksichtigung der bestehenden Substanz sowie der legitimierten Entwürfe des Blaugrünen Rings müssen dabei insbesondere Bestandteile der Auslobung sein.

Der Beitrag von Architekturschaffenden zur (gebauten) Umwelt und Gesellschaft ist immens. Die Herausforderungen an das Planen und Bauen sind es ebenfalls: Entwürfe und daraus entstehende Gebäude werden nicht nur an den offensichtlichen Kriterien wie Gestalt, äußere Wirkung und Funktionalität gemessen, sondern auch an zahlreichen inneren Qualitäten wie bspw. dem Umgang mit Ressourcen (Boden, Baumaterialien, Energie, …). Gerade im Falle der Kunstakademie gibt es darüber hinaus Kriterien, die sich einer einfachen Messbarkeit entziehen – bspw. die nationale und internationale Strahlkraft. Die Wettbewerbe zur Erweiterung der Kunstakademie München (gewonnen von COOP HIMMEL(B)LAU) und für den Neubau von Teilen der Cooper Union for the Advancement of Sciene and Art in New York (gewonnen von Morphosis) zeigen, wie ein internationaler Wettbewerb Aufmerksamkeit im positiven Sinne auf eine Akademie und ‚ihre‘ Stadt ziehen kann.

Die oben dargestellten Herausforderungen sind zu groß, als dass sie – wie im vorliegenden Fall – ausschließlich auf der Basis eines einzigen Entwurfs angegangen werden können. In der Auslobung eines Wettbewerbs können qualitätssichernde Vorgaben gemacht werden – beispielsweise bezüglich des Umgangs mit der denkmalgeschützten Substanz, der internationalen Bedeutung der Kunstakademie sowie der Berücksichtigung der besonderen räumlichen Gegebenheiten.

Wir appellieren an Sie:

Achten Sie die Planungshoheit der Stadt Düsseldorf und machen Sie den Weg frei für einen Wettbewerb, lassen Sie uns gemeinsam an der städtebaulichen Entwicklung unserer Stadt Düsseldorf arbeiten. Lassen Sie es nicht zu, dass die Kompetenzen der Stadt Düsseldorf in Bezug auf ihre städtebauliche Entwicklung beschnitten werden. Schaffen Sie keinen Präzedenzfall! Verzichten Sie nicht auf die Chance, die in der Auslobung eines internationalen Wettbewerbs liegt!

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